Filmclub-Hohenlohe gratuliert Gerd Nefzer für Oskar und Bafta-Award

Schwäbisch Hall 22. April 2018. Die Gäste versammelten sich bereits vor dem Rathaus in Schwäbisch Hall. Das Blechbläserensemble des Stadtorchesters unter der Leitung von Daniel Schneider haben sich positioniert. Jetzt kann er kommen. Und dann hört man es auch schon rattern. Gerd Nefzer wird mit einem historischen Traktor, in Begleitung der Technikfreunde des Freilandmuseums Wackerhofen, vorgefahren. Er steigt ab und geht mit erhobenen, winkenden Armen der Menge entgegen. Die Musik setzt ein. Wie im Film. In seiner späteren Rede weißt Nefzer darauf hin, das Familie und Freundschaft für ihn das wichtigste ist. Das merkt man an bei der Ankunft. Die Familie und die Freunde werden herzlichst umarmt. Auch irgendwie steht er nicht so wirklich im Mittelpunkt, sondern die beiden Preise. Der britische Bafta-Award und der Oscar und alle können daran teilhaben. „Wer möchte kann später noch eine Foto machen und natürlich die Trophäen in die Hand nehmen“, sagt Nefzer als sei es ein selbstverständliches.

Doch bis es soweit ist wird Gerd Nefzer im Rathaus begrüßt. Die erste Rede hält das erste Siederpaar mit einem Schluck aus dem traditionellen Gockel. Dann kommt, ein kurzes „Making of“ bestimmter Szenen aus „Blade Runner 2049“. Das Publikum hängt an den Lippen von Nefzer, als er so manche Hintergründe erzählt. Die Szenen sind nicht am Computer entstanden, sondern waren Handarbeit. Mit Hydraulikstempel und auf Schienen geführte Fahrzeuge wurden mit Seilen in ihrer Position gebracht. Oder waren die futuristischen Fahrzeuge auf einem Helikoptersimulator montiert, die gefüttert mit Flugdaten aus einem echten Helikopter, sich ihren Weg durch die Zukunft im Jahre 2049 bahnten. Das musste teilweise komplett gebaut werden und natürlich auch getestet werden. Erst ohne Schauspieler, wobei da schon dass eine oder andere zu Bruch ging. Immer wieder stand das Team vor offenen Fragen. So manche Lösung musste dann verfeinert werden, da es dem kanadischen Regiesseur noch nicht passte. Der Regen und der Schnee musste genaue Anforderungen erfüllen. Der Regen perlt noch nicht richtig ab, oder es musst schmutziger Industrieschnee sein. Regisseur Denis Villeneuve aus Kanada kennt sich ja mit Schnee aus, er hatte seine genauen Vorstellungen und Wünsche.

Eine besondere Herausvorderung war auch die Schlussszene. Ein Bus sollte im Meer versinken. Das eigentliche Problem, die verfügbare Anlage mit ihrem 15 Grad warmen oder eher gesagt kalten Wasser. „Da müssen die Schauspieler Stunden drin verbringen. Das geht nicht“, sagt Nefzer. Die Alternative: Wir bauen das selbst. Wasserbecken 50 auf 50 Meter, 5 Meter tief mit Wasserrutschen für die Brandung. Und Bagger mit alten Gastanks erzeugen die Brandung. Hydrauliksysteme wie im Wellenbad waren zu teuer. „Da kam der Schwabe in uns durch, das muss billiger gehen“, erklärt Nefzer. So entstanden abends in geselliger Runde die ein oder andere zündende Idee. Nur durch Team-Work konnten wir das erreichen. „Wir sind alle eine große Familie“, war mehrfach von Nefzer zu hören. Er wird auch nicht müde, alle zu erwähnen, war im doch bei der Oscar-Verleihung zu wenig Zeit geblieben, seiner Familie und den Unterstützern seiner Projekte zu danken. Von diesen Projekten gab es recht viele. Der Haller Bürgermeister, Hans-Josef Pelgrim, zählt viele Filme auf, bei denen schon Schwiegervater Nefzer mitgewirkt hat. Die unendliche Geschichte, Rob Roy, Otto – der Katastrophenfilm, die Chroniken von Narnia, … , am Besten mal in Wikipedia selbst nachschauen.

Anschließend trägt sich Gerd Nefzer in das Goldene Buch der Stadt Schwäbisch Hall ein. Jubel und Applaus schließen den Akt ab. Nun ist es soweit. Bafta und Oscar werden weitergereicht und fotografiert. Zum Abschluss verlässt Nefzer den Haller Marktplatz in einem römischen Streitwagen die Szene. Filmreif.

Von der Zusammenarbeit mit Gerd Nefzer und seinem Team können auch viele Schwäbisch Haller berichten. Sogar zwei unserer Filmclub-Mitglieder, Reinhold Elbel und Roman Weller. So maches Stück aus Leder für die Kostüme hat der Schuhmacher Elbel für einige Sets im Umfeld erstellt. Roman Weller, Flugzeugbauer aus Bibersfeld, hat nicht nur für Nefzer so an manchen Filmproduktionen mitgearbeitet. Schienen für Kameras für MTV-Awards und eben auch für Nefzer bei so manchem Panzernachbau mitgewirkt.

  • Gerd Nefzer erreicht den Schwäbisch Hall Marktplatz mit einem historischen Tracktor des Technickteams des Freilandmuseums Wackerhofen.

 

Veröffentlicht in Im Jahr 2018.